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Sport ist für viele mehr als nur Bewegung – er ist Leidenschaft, Lebensinhalt, manchmal sogar Beruf. Umso härter trifft es Athlet*innen, wenn eine Verletzung sie jäh ausbremst. In solchen Momenten beginnt meist sofort die körperliche Reha: Physiotherapie, gezielte Übungen, Behandlungen – alles, um den Körper wieder fit zu machen. Doch ein Aspekt wird dabei oft übersehen: Auch der Kopf braucht eine Reha.
Eins vorweg: Unser Gehirn ist ein komplexes Organ und das detaillierte Verständnis dessen überlasse ich denn Spezialisten. Fakt ist jedoch, dass wir alle Ereignisse und Erlebnisse an bereits Erfahrenes anknüpfen. Je nach dem woraus unsere Erfahrung besteht, schätzen wir Ereignisse anders ein. Da kann uns das Hirn ein ziemliches Schnippchen schlagen. 1. Phase: Umgang mit Schmerzen Gleich nach der Verletzung oder einer allfälligen Operation können Mentaltechniken helfen mit dem Schmerz umzugehen. Zu lernen ihn von Beginn weg richtig einzuschätzen, kann dir helfen zügig vorwärts zu kommen. Weder den Schmerz zu dramatisieren, noch ihn herunterzuspielen hilft dir. Es gibt verschiedene mentale Tools, die sich mit der Schmerzeinschätzung und -verschiebung befassen. Zudem können dir Achtsamkeits- und Entspannungsübungen helfen, den Körper wahrzunehmen, auch wenn sich nach einer Operation alles fremd anfühlt. 2. Phase: Umgang mit Gefühlen Eine Sportverletzung bedeutet nicht nur Schmerz und eingeschränkte Mobilität – sie bringt auch eine Vielzahl an Emotionen mit sich: Frustration, Angst, Wut, Selbstzweifel. Besonders bei langwierigen Verletzungen können sogar depressive Verstimmungen oder Angststörungen auftreten. Der plötzliche Verlust von Routine, sozialem Umfeld im Training und dem Gefühl der Selbstwirksamkeit kann tiefe Spuren hinterlassen. Je früher du dich mit all deinen Gefühlen und Emotionen auseinandersetzt, desto mehr bleibst du im Gleichgewicht und solange du in Balance bist, kann dein Körper seine volle Energie für die Heilung einsetzen. Emotionsregulation, aber auch Zielsetzung und Fokustraining kann dir hier helfen. 3. Phase: Mentale Hürden beim Comeback Selbst wenn der Körper wieder bereit ist – der Kopf ist es oft nicht. Viele Athlet*innen trainieren den Körper auf, vergessen aber den Kopf mitzunehmen. Stehen sie dann vor dem Comeback, sind sie mit Angst vor einer Wiederverletzung, Zweifel an der eigenen Leistungsfähigkeit, Verlust von Vertrauen in den eigenen Körper und Druck schnell wieder voll leisten zu müssen konfrontiert. Diese mentalen Barrieren können nicht nur die Rückkehr zum Sport verzögern, sondern auch das Risiko für eine erneute Verletzung erhöhen. Und genau deshalb setze ich mich dafür ein, dass früh in der Reha, am besten bereits im Spitalbett, mit mentalem Training begonnen wird. So können allfällige Blockaden gelöst und das Comeback langsam in "Trockenübungen" eingeleitet werden. Wer immer noch denkt, dass der Fokus auf die körperliche Reha nach einer Verletzung genügt, der hat noch nicht verstanden, dass es schlussendlich immer der Kopf ist, der uns im Weg steht, wenns nicht rund läuft. Also: Nimm ab Tag 1 auch dein Kopf mit auf deinen persönlichen Reha-Weg. K
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AuthorRaphaela Bon ist Mentaltrainerin. Eines ihrer Spezialgebiete ist der mentale Support nach Verletzungen. Archives
November 2025
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